Tennis

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World Masters Games 2013 in Turin

Freitag, 16. August 2013

Wo sind die deutschen Tennisspieler?

wmg2013

Als vor vier Jahren die World Masters Games (WMG) in Sydney stattfanden, hörte ich erstmals davon, dass es solche „Olympischen Spiele“ für Sportbegeisterte jeden Alters und jeden Leistungsstandes überhaupt gibt – und wusste sofort, dass ich daran einmal teilnehmen möchte.
Schon in diesem Jahr wurde mein Traum wahr: Ich meldete für vier Disziplinen in zwei Sportarten bei den 8. World Masters Games in Turin: Einzel, Doppel und Mixed im Tennis als Hauptsportart, nebenbei 10-km-Straßenlauf in der Leichtathletik.

Der Ausflug nach Turin hat sich in jeder Hinsicht gelohnt: So viele schöne sportliche, menschliche, sehens- und erlebenswerte Augenblicke haben sich mir eingeprägt. Und nicht zuletzt habe ich tatsächlich eine Goldmedaille gewonnen!

Aber von Anfang an. Gut 19.000 Sportlerinnen und Sportler ab 35 Jahren (bzw. ab 25 im Schwimmen) aus 107 Ländern in aller Welt kamen nach Italien, um sich in 29 Sportarten miteinander zu messen. Die größte Gruppe stellte Australien mit ca. 2.900 Sportlerinnen und Sportlern, gefolgt von Kanada mit ca. 2.700. Nach Italien und den USA bot Deutschland als fünftstärkste Gruppe ca. 550 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf. Beim Tennis suchte ich Deutsche allerdings vergeblich. Unter den gemeldeten Männern tauchte ein Name aus „GER“ auf, angetreten ist der Spieler meines Wissens nicht. Schade, dass die Masters Games unter deutschen Tennisbegeisterten so unbekannt sind.

Bei der Eröffnungsfeier der Spiele im Zentrum Turins dabei zu sein, war ein Erlebnis für sich und eine gute Einstimmung auf die Sportwoche.

Gelungene Schnappschüsse von der Eröffnungsfeier gibt es bei Torino in my eyes, mehr über Turin jenseits der Sporttage nebenan im elefant2-Blog.

Als am Samstagsabend die Eröffnungsparty begann, hatte ich schon zwei Tennismatches bestritten und die Startnummer für den Lauf am Sonntagmorgen lag bereit.

Akkreditierung
Nach einer Nachtfahrt kamen mein persönlicher Betreuer und ich wie geplant frühmorgens in Turin an und akkreditierten uns gleich. Im Games Centre von Torino Esposizioni im Parco del Valentino war alles bestens organisiert. Hier wie an allen Austragungsorten sorgten viele freiwillige Helfer für ein gutes Gelingen der Spiele.

Circolo della Stampa
Anschließend ging es sofort weiter zum altehrwürdigen Turiner Tennisclub Circolo della Stampa direkt neben dem Olympiastadion, denn dort wurden die Tenniswettbewerbe ausgetragen. Mein erstes Match war für 11.30 Uhr angesetzt, wie ich glücklicherweise noch rechtzeitig am Vortag von Deutschland aus herausgefunden hatte. Sonst wären wir erst im Laufe des Tages angereist! Das gehört zu meinen kleinen Kritikpunkten: Im Vorfeld war es schwierig, an die wirklich relevanten Tennisinformationen heranzukommen.

Tennishalle
Nach der nächtlichen Anreise per Auto war ich überhaupt nicht böse, dass mein erstes Einzel in der Halle angesetzt war. Da zeigte das Thermometer zwar 35 Grad, aber wenigstens blieb uns die pralle Mittagssonne vorläufig erspart.

Nach zwei Tennistagen fiel mir ein, dass es nicht reicht, auf der Startliste für den 10-km-Lauf zu stehen. Ich sollte mich besser auch um meine Startnummer bemühen! Das erwies sich als nicht ganz so einfach, denn obwohl der Lauf im Parco del Valentino und damit in unmittelbarer Nähe des Games Centres stattfinden sollte, war der Athletics-Stand dort verwaist. Die Startnummer musste im Leichtathletikstadion Stadio Primo Nebiolo an ganz anderer Stelle in Turin abgeholt werden, wie wir schließlich herausfanden.

Startnummer 13
Dank Navi war es kein Problem, zum Stadion zu kommen, meine Startnummer mit der Glückszahl 13 erhielt ich schnell. Und da wir nun einmal im Stadion waren, sahen wir auch bei den Wettbewerben zu – und waren begeistert davon, wie sehr besonders die Ältesten angefeuert wurden. Neben uns z. B. saß zwischendurch eine 85-jährige Estin, die gerade in ihrem Wettkampf 2. geworden war. Welche Disziplin das war, konnten wir der ca. zehn Jahre jüngeren Begleiterin wegen sprachlicher Probleme zwar nicht entlocken, aber wir waren auch so genügend beeindruckt.

Türkiye
Und dann hörte mein persönlicher Betreuer bei der Ankündigung zum 400-m-Lauf des Decathlons der Männer über 75 zu seiner großen Freude einen türkischen Namen. Und tatsächlich, bald sahen wir beim Zieleinlauf die Aufschrift Türkiye auf der Rückseite eines Trikots. Mein Betreuer ließ es sich nicht nehmen, den Träger des Trikots persönlich zu beglückwünschen. N. Bey ist, wie sich herausstellte, ein überaus fitter 81-Jähriger, der (zum Leidwesen seiner italienischstämmigen Frau) kaum einen internationalen Leichtathletikwettkampf auslässt und am Ende der WMG fünf Gold- und zwei Bronzemedaillen mit nach Hause nahm. Großartig!

10 km
Am Sonntag, 4. August war der 10-km-Lauf durch den Parco del Valentino angesetzt. Bis er endlich gestartet wurde, war Geduld nötig. Denn aus irgendeinem Grund waren die Zeitnahmechips so spät geliefert worden, dass sie erst am Morgen ausgegeben werden konnten. An freiwilligen Helfern fehlte es nicht, wohl aber an sinnvoller Organisation. So musste man sich einmal für den Chip anstellen, ein weiteres Mal für das Bezahlen von 10 Euro Kaution. Das Chaos war vorhersehbar. Dank meines persönlichen Organisators wurde ich meines Chips einigermaßen schnell habhaft, aber irgendwann kapitulierten die Veranstalter.

10 km
Ein großer Teil der Läuferinnen und Läufer startete schließlich ohne Chip. Das heißt, dass auch für die mit Chip Gestarteten nur Bruttozeiten gemessen wurden. Von meiner Endzeit darf ich also ein paar Sekündchen abziehen. Auch die täuschen nicht darüber hinweg, dass ich meine Zielzeit von 60 Minuten um 2 Minuten verfehlt habe. Aber das macht nichts, PR (persönlicher Rekord) ist das trotzdem, denn dieser Lauf war mein erster 10-km-Wettkampf überhaupt. Das Bild zeigt mich vor dem Start, am Ende war ich froh, dass ich trotz der großen Hitze ins Ziel kam. 26. wurde ich in meiner Gruppe W50, 16. wäre ich bei den jüngeren W45 geworden. Noch ein paar Zahlen: Die Allerletzte, die ins Ziel kam, war 29 Minuten langsamer als ich, dafür kamen einige 70- und sogar 80-Jährige schneller an als ich. Ziemlich viele werden mit dnf (did not finish) in der Ergebnisliste geführt, sie gaben entweder auf oder waren gar nicht am Start.

Tennisdoppel
Bald ging es weiter mit den Doppelwettbewerben. Im Vorfeld war mir völlig unklar, wie die Meldung dafür ablaufen würde. Vor Ort stellte sich heraus, dass bis Sonntag gemeldet werden konnte. Einen kanadisch-kroatischen Mixedpartner hatte ich bereits vorher über ein WMG-Forum gefunden. Bis zur letzten Minute bangte ich allerdings, ob er tatsächlich zum angesetzten Spiel erscheinen würde, denn seit die Spiele begonnen hatten, meldete er sich nicht mehr. Aber er kam rechtzeitig – zu einem seiner fünf Matches an einem Tag in Tennis und Badminton. Wir verloren knapp im Match-Tiebreak, hatten aber viel Spaß.
Eine Doppelpartnerin aus Ungarn fand ich erst vor Ort. Mit ihr schied ich leider auch in der ersten Hauptrunde gegen ein sehr sicher spielendes und erfahrenes australisches Team aus, gewann aber mit ihr schließlich die Trostrunde, ebenfalls gegen eine australische Paarung.

  Finale
Im Einzel wurde zunächst in einer Gruppenphase nach dem Prinzip jeder gegen jeden gespielt, in den zahlenmäßig viel stärker besetzten Doppelkonkurrenzen gleich nach dem K.-o.-System. In allen Matches galt die No-Ad-Regel (no advantage, d. h., der nächste Punkt entscheidet bei Einstand das Spiel), der dritte Satz wurde als Match-Tiebreak gespielt. Anders als beim Laufen waren in meiner Einzelkonkurrenz nur wenige am Start – so kam ich als Gruppenzweite ins Endspiel. Gegen meine Gegnerin hatte ich in der Vorrunde in drei Sätzen verloren. Bis zum Finale am Samstag, 10. August hatte ich einige Tage Zeit, meine Taktik zu überdenken. Erfolgreich. Zum Schluss stand es 7:6, 6:3 für mich. Mein persönlicher Coach hatte es vorausgesagt: Goldmedaille!

Finale
Meine kanadische Endspielgegnerin erhielt ihre Silbermedaille unmittelbar nach dem Spiel, denn sie reiste noch vor der offiziellen Medaillenvergabe weiter.

Goldmedaille
Mein zuverlässiger persönlicher Betreuer, Organisator, Mentaltrainer und Fotograf traf ausgerechnet dieses eine Mal vor Aufregung nicht den richtigen Knopf. Der Dank für das Beweisfoto von der Medaillenzeremonie geht an unsere ungarischen Freunde.

Medaillensegen
V. l. n. r.: Silbermedaille im Tenniseinzel (Open), Bronzemedaille im Dreisprung, Goldmedaille im Tenniseinzel (Recreational).

Grafik
Der größte Dank gebührt meinem treuen Fan und Unterstützer. :-)

Die nächsten World Masters Games können kommen. Spätestens in 28 Jahren möchte ich wieder dabei sein, denn dann werde ich 80 sein. Everlasting passion – so lautete das treffende Motto der diesjährigen Spiele.
Bis dahin locken noch European Masters Games und World Winter Masters Games ...

Gold!

# Ines Balcik am 16. August 2013 um 16:18 Uhr
Masters Games


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