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Olympisch
Früher verfolgte ich Olympische Spiele am Bildschirm und dachte mir, ich sei im richtigen Alter, um unter den Siegern zu sein. Heute verfolge ich die Olympischen Spiele und denke, meine Söhne seien im richtigen Alter, um unter den Siegern zu sein.
Nur einen Moment dauert dieser Impuls heute wie damals, dann setzt der Verstand wieder ein:
Niemals hätte ich mich auch nur ansatzweise viele, viele Jahre hindurch so ausschließlich einer einzigen Sache verschreiben wollen, wie das für den Spitzensport nötig gewesen wäre. Niemals hätte ich das meinen Kindern zumuten wollen.
Aber weil ich selbst gerne Sport treibe, mich gelegentlich auch im sportlichen Wettkampf messe und dabei eher im hinteren als im vorderen Drittel lande, sind für mich die wahren Helden der Olympischen Spiele nicht die Sportler auf den Medaillenplätzen. Eigentlich tun sie mir eher leid, denn es ist doch absurd, worüber 100stel- oder gar 1000stel-Sekunden entscheiden.
Die wahren Helden der Olympischen Spiele sind für mich Sportler wie zum Beispiel die iranische Skifahrerin Marjan Kalhor. Nur erahnen lässt sich, welche Hindernisse sie zu überwinden haben, um ihre Sportart ausüben und an den Spielen teilnehmen zu können.
Natürlich bin ich skisportbegeistert und patriotisch genug, mich über den Sieg von Maria Riesch zu freuen, besonders nach der Abfahrt, die mich einmal mehr froh sein ließ, dass ich mich gegen eine Karriere als Skirennfahrerin entschieden habe (von der ich, ich gebe es zu, im zarten Alter von 11, 12 Jahren insgeheim ein wenig träumte – wohl wissend, dass sie nie Realität werden würde, faul genug, nicht für die Sportart zu trainieren, in der mir seinerzeit mehr Wege offengestanden hätten).
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