Einträge der Rubrik: hervorgekramt
Das Mädchen mit dem Strohhut
Der Bericht über dieses Mädchen weckte eigene Erinnerungen, meine Erinnerungen an das Mädchen mit dem Strohhut.
Das Mädchen mit dem Strohhut stand vor über 20 Jahren am Feldrand und winkte.
Was ist denn daran besonders, werdet ihr fragen.
Das Mädchen stand nicht irgendwo in Deutschland winkend am Wegesrand. Das Mädchen winkte irgendwo in der staubigen Sommerhitze Anatoliens – dort, wo die gebeugten und früh gealterten Frauen bei der Feldarbeit Kopftücher zu tragen pflegen, keine Strohhüte.
Mädchen oder Junge?
Die Form des Mutterbauchs soll nach landläufiger Meinung ein Indiz dafür sein, welches Geschlecht das erwartete Baby hat.
Was für ein Unsinn!
Die ultimative Antwort auf die Frage nach dem Geschlecht, die werdende Eltern bewegt, hat meine türkische Verwandtschaft parat. Einen kleinen Haken hat die Methode, das gebe ich gleich zu: Sie funktioniert nur, wenn bereits ein Kind da ist. Dann allerdings ist die Sache ganz einfach. Alles, was die erwartungsvollen Eltern tun müssen, ist, einen Blick auf die Nasenwurzel ihres Kindes zu werfen. Sehen sie dort eine ausgeprägte Ader, ist der Fall eindeutig: Das nächste Kind wird ein Junge.
Heimat
Was ist Heimat, wo ist meine Heimat? Das habe ich mich in letzter Zeit öfter gefragt. Die TV-Serie Heimat habe ich seinerzeit nicht gesehen, vermutlich interessierte Heimat mich damals nicht. Ist Heimat etwas, das man mit seiner Kindheit und Jugend verbindet?
Inzwischen habe ich den größten Teil meines Lebens in Hessen verbracht, als Hessin fühle ich mich trotzdem nicht. In Baden-Württemberg bin ich geboren und zwei Jahre zur Schule gegangen. So ä bissle Schwäbisch schwätze kann ich noch, als echte Schwäbin habe ich mich als Kind Zugereister (meine Eltern und Geschwister sind alle in Berlin geboren) dennoch nie gefühlt. Umgangssprache zu Hause war immer Hochdeutsch.
Den größten Teil meiner Schulzeit und meines Heranwachsens habe ich in Westfalen verbracht, dort sehe ich noch am ehesten meine Heimat (wenn ich mich auch selbst eher nicht als Westfälin bezeichnen würde). Hmmm. Ich bin wohl einfach Deutsche.
Obwohl gerade das so einfach nicht ist.
In der Zeitung lese ich heute eine Meldung über Feridun Zaimoglu, der “mit viel Glück ein schweres Busunglück in seiner Heimat Türkei überlebt” hat. Es ist wunderbar, dass er lebt, aber warum ist die Türkei seine Heimat, wenn er im zarten Säuglingsalter nach Deutschland kam und Deutsch die Sprache seiner Bücher ist?
Da fällt mir ein, wie das blonde und blauäugige Kind mit dem türkischen Namen im Kindergarten vom Fotografen gefragt wurde, woher es komme. “Aus Frankfurt”, lautete die Antwort. Also doch ganz einfach.
Wo ich gewohnt habe
Melody fragt aus aktuellem Anlass nach früheren Wohnungen. Also ...
... zunächst waren da gar keine Wohnungen, sondern diverse Studentenzimmer. In mein erstes wurde ziemlich schnell eingebrochen. Reichtümer gab es da wirklich nicht zu holen (damals dachte noch kein Mensch an Handys, Laptops und ähnliches Grundinventar von heute). Es kann also nur ein wirklich armes Schwein gewesen sein, das meine Tagesdecke und ein bisschen Kleinkram mitnahm.
Spannend wurde es dann wieder im Auslandssemester in Nizza. Hier teilten wir, 4 deutsche Studentinnen, unsere Kochecke nämlich mit einer stattlichen Anzahl von Kakerlaken. Da die Kakerlaken eindeutig hartnäckiger waren als wir, wechselten schließlich wir und nicht sie das Zimmer.
Kakerlaken hatten sich auch in der Kochnische des Studentenwohnheims in Amman häuslich eingerichtet. Das störte mich nicht weiter, hatte ich doch ein Gentlemen’s Agreement mit ihnen geschlossen: Ich benutzte die Kochecke nur zum Wasserkochen für meinen Morgentee, sie blieben dafür friedlich in ihren dunklen Ecken.
Das änderte sich, als eine Amerikanerin ins Nachbarzimmer zog, die den Kakerlaken mit allen möglichen Insektenvernichtungsmitteln auf den Leib rückte. Das gefiel weder ihnen noch mir, denn, aufgeschreckt durch diese hinterhältigen Anschläge auf ihre geruhsame Existenz, schwärmten sie nun in alle angrenzenden Zimmer aus. Das fand ich weit unangenehmer als unsere anfängliche friedliche Koexistenz.
Zu Ehrenrettung südlicher Länder sei hinzugefügt, dass ich im Studentenwohnheim von Tunis keine einzige Kakerlake gesichtet habe. Dafür war die Mensa nicht sehr einladend, ganz anders als die in Amman, wo das Essen gut schmeckte und die Atmosphäre einladend war.
Abgelenkt
Was tut man nicht alles, um sich von einer Arbeit abzulenken, deren Deadline noch in sicherer Ferne liegt.
Zum Beispiel ein ganz bestimmtes Bild suchen, das vor langer Zeit als Poster an der Tür meines Zimmers im Stundentenwohnheim hing und das ich jetzt für ein Onlineprojekt sehr gut gebrauchen könnte.
Oder meinen neidischen Kindern erzählen, dass ich, Fußballmuffel schlechthin, 1974 im zarten Alter von 13 Jahren ein WM-Spiel live gesehen habe: Holland gegen Schweden im Dortmunder Westfalenstadion.





