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Kronberger Mirabellen

Montag, 21. April 2014

Gastbeitrag von Ursula Sezgin

Die „Kronberger Mirabellen“ waren früher wohl weithin bekannt; mein Vater (1886–1974) erzählte, daß sein Vater (1851–1938) – die Familie lebte in Friedberg – immer wieder gesagt habe, dass ein Korb mit Kronberger Mirabellen das ganze Haus ausdufte. Das fiel meinem Vater ein, als meine Eltern uns „nachzogen“.

Bei meiner Stadt von A bis Z käme also unter K der Eintrag: „Kronberger Mirabellen“. Allerdings könnte er auch unter C stehen, denn Kronberg wurde vor den 1930er Jahren mit C geschrieben.

Reife Mirabellen HD, via Wikimedia Commons
Foto: 4028mdk09, via Wikimedia Commons

Aber so einfach war’s bei meiner Neugierde nicht. Es fand sich, dass in Kronberg die Sorte Metzer Mirabelle angebaut wurde, mittelgroß bis klein, duftete wunderbar, verlor die Farbe nicht beim Haltbarmachen, sehr süß. Diese Eigenschaften kennen wir, denn als wir 1972 hierher zogen, standen noch Hunderte Bäume in unserer Nähe, auf Bauland u. a. für die – grässliche –  „Rote Schule“ (wegen der roten Fassade). Die Obstbauern wollten nicht mehr ernten,verkauften ihr Land an den Kreis, der ja keine Beamten schicken würde, um zu ernten. Das taten wir, in Scharen, mit Kind und Kegel bis Baubeginn. Mit Bekannten haben wir einmal 85 Pfund Mirabellen geerntet, wir Frauen haben entsteint, die beiden Männer haben im einzigen großen Topf Marmelade gerührt. Auch haben wir eingefroren. Die Sauerkirschenbäumchen, Johannisbeer- und Stachelbeerbüsche und Brombeeren trugen ebenfalls reichlich. Als die guten, gesunden Bäume und Büsche umgehackt wurden, obwohl das Grundstück erst nach und nach in Anspruch genommen wurde, haben wir geweint.

Dieser Tage bekam mein Mann ein Glas Mirabellenmarmelade aus Frankreich geschenkt. Ich musste mal versuchen: Da war er wieder, der köstliche Geschmack, den ich bei meiner Suche nach Mirabellen nicht wieder gefunden habe. Es waren Mirabellen aus der Lorraine!

Mit „Kronberger Mirabellen“ kann heute wohl kaum jemand von den Jüngeren etwas anfangen, es gibt keinen bestimmten Eintrag im Internet, also auch keinen Link. Selbst der Eintrag bei Wikipedia über Kronberg führt zwar die Esskastanienhaine und die Kronberger Erdbeeren an, aber nicht die Mirabellen. Höchstens in wenigen Zeitungsberichten werden sie genannt, aber einiges passt da nicht zusammen.


Mirabellen

Nachbemerkung zum Gastbeitrag: Ich hätte es sehr bedauert, wenn das Wissen um die Kronberger Mirabellen verloren gegangen wäre. Umso mehr freue ich mich, dass ich diese Erinnerungen zur lokalen Kulturgeschichte hier veröffentlichten darf. Herzlichen Dank!

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