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Wo ich gewohnt habe
Melody fragt aus aktuellem Anlass nach früheren Wohnungen. Also ...
... zunächst waren da gar keine Wohnungen, sondern diverse Studentenzimmer. In mein erstes wurde ziemlich schnell eingebrochen. Reichtümer gab es da wirklich nicht zu holen (damals dachte noch kein Mensch an Handys, Laptops und ähnliches Grundinventar von heute). Es kann also nur ein wirklich armes Schwein gewesen sein, das meine Tagesdecke und ein bisschen Kleinkram mitnahm.
Spannend wurde es dann wieder im Auslandssemester in Nizza. Hier teilten wir, 4 deutsche Studentinnen, unsere Kochecke nämlich mit einer stattlichen Anzahl von Kakerlaken. Da die Kakerlaken eindeutig hartnäckiger waren als wir, wechselten schließlich wir und nicht sie das Zimmer.
Kakerlaken hatten sich auch in der Kochnische des Studentenwohnheims in Amman häuslich eingerichtet. Das störte mich nicht weiter, hatte ich doch ein Gentlemen’s Agreement mit ihnen geschlossen: Ich benutzte die Kochecke nur zum Wasserkochen für meinen Morgentee, sie blieben dafür friedlich in ihren dunklen Ecken.
Das änderte sich, als eine Amerikanerin ins Nachbarzimmer zog, die den Kakerlaken mit allen möglichen Insektenvernichtungsmitteln auf den Leib rückte. Das gefiel weder ihnen noch mir, denn, aufgeschreckt durch diese hinterhältigen Anschläge auf ihre geruhsame Existenz, schwärmten sie nun in alle angrenzenden Zimmer aus. Das fand ich weit unangenehmer als unsere anfängliche friedliche Koexistenz.
Zu Ehrenrettung südlicher Länder sei hinzugefügt, dass ich im Studentenwohnheim von Tunis keine einzige Kakerlake gesichtet habe. Dafür war die Mensa nicht sehr einladend, ganz anders als die in Amman, wo das Essen gut schmeckte und die Atmosphäre einladend war.
Irgendwann bezog ich dann in Frankfurt meine erste richtige eigene Wohnung. Die sollte auch die letzte bleiben, denn alleine zog ich danach nicht mehr um.
Die Wohnungssuche in Frankfurt hatte sich als ziemlich ernüchternd erwiesen. In meiner verwöhnten Naivität hatte ich nie geahnt, wie viele Wohnungen Mitte der 80er Jahre mitten in einem angeblichen Industriestaat noch immer nicht mit vernünftigen Heizungen, Bädern oder Küchen ausgestattet waren. Die Wohnung, die ich schließlich bezog, hatte zwar eine Zentralheizung, das Bad beschränkte sich allerdings auf eine Duschkabine und ein Waschbecken im kleinen Schlafzimmer. Der Vorteil der Wohnung war ihre Lage. Arbeitsplatz, Uni, Stadtzentrum, all das ließ sich wunderbar per Rad erreichen.
Als das erste Kind da war, zog es uns, wie überraschend, ins Grüne. Wie groß mir damals unser Haus vorkam, das jetzt aus allen Nähten platzt!
In der Zwischenzeit haben wir (nicht mehr ich) aber noch 2 weitere Wohnungen bewohnt, nämlich in Antalya. Die erste Wohnung war wunderbar in Strandnähe gelegen, nicht groß, aber gut ausgestattet. Dummerweise war die Wohnung darunter nicht bewohnt, so dass gelegentlich ein paar Tierchen den Weg in unsere Küche fanden. Meine Mutter fand, der Schrei einer Hochschwangeren (also mein Schrei) beim unvermuteten Anblick einer Kakerlake im vermeintlichen sauberen Kochtopf schade dem Umgeborenen. Damals wies ich das als lächerlichen Aberglauben von mir, zumal das Kind nach der Geburt ganz normal aussah. Aber heute, 16 Jahre später, muss ich meiner Mutter Recht geben. Die Kakerlaken haben bleibenden Schaden angerichtet. Anders lässt sich der oberzickige Teenager nicht erklären.
(Kleine Bemerkung am Rande: Des einen Leid, des anderen Freud. In einem der schönsten Hotels in Antalya, wo der Marmor glänzt und penible Sauberkeit herrscht, war mein damals anderthalbjähriger Ältester begeistert, war doch ein Kakerlak den Fängen der Putzkolonnen entgangen und mühte sich auf den glatten Marmorstufen der zentralen Treppe ab. Endlich mal ein Ereignis nach dem Herzen eines kleinen Jungen in diesem langweiligen Hotel.
Noch eine Randbemerkung: Einbrüche sind übrigens noch ein verbindendes Element meiner Wohnkarriere. Eingebrochen wurde nämlich auch in unsere Wohnung in Antalya und vor Jahren auch in unsere jetzige Bleibe.)
Wieso bin ich eigentlich schon lange nicht mehr umgezogen? Es wird höchste Zeit.
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Die Kakerlaken haben bleibenden Schaden angerichtet. Anders lässt sich der oberzickige Teenager nicht erklären.
toll, dass Du endlich die Ursache gefunden hast - viele Eltern sind weiterhin auf der monokausalen Suche für ähnliche Erscheinungen, da keine früheren Kakerlakbegegnungen bekannt sind. Oder war es eventuell der “schöpferische Denkakt Deiner Mutter”, der hier zum Ausdruck kommt im Sinne der wissenschaftlichen Erkenntnisse, wie sie in dem Film “what the bleep do we (k)now - ich weiß, dass ich nichts weiß” aufgedeckt werden?
masterkuki am 21. Juli 2006
Wer weiß ... Alles will ich auch gar nicht wissen, besonders nicht bei diesen tropischen Temperaturen ;-)
Ines Balcik am 21. Juli 2006
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