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Heimat

Freitag, 01. September 2006

Was ist Heimat, wo ist meine Heimat? Das habe ich mich in letzter Zeit öfter gefragt. Die TV-Serie Heimat habe ich seinerzeit nicht gesehen, vermutlich interessierte Heimat mich damals nicht. Ist Heimat etwas, das man mit seiner Kindheit und Jugend verbindet?

Inzwischen habe ich den größten Teil meines Lebens in Hessen verbracht, als Hessin fühle ich mich trotzdem nicht. In Baden-Württemberg bin ich geboren und zwei Jahre zur Schule gegangen. So ä bissle Schwäbisch schwätze kann ich noch, als echte Schwäbin habe ich mich als Kind Zugereister (meine Eltern und Geschwister sind alle in Berlin geboren) dennoch nie gefühlt. Umgangssprache zu Hause war immer Hochdeutsch.

Den größten Teil meiner Schulzeit und meines Heranwachsens habe ich in Westfalen verbracht, dort sehe ich noch am ehesten meine Heimat (wenn ich mich auch selbst eher nicht als Westfälin bezeichnen würde). Hmmm. Ich bin wohl einfach Deutsche.
Obwohl gerade das so einfach nicht ist.

In der Zeitung lese ich heute eine Meldung über Feridun Zaimoglu, der “mit viel Glück ein schweres Busunglück in seiner Heimat Türkei überlebt” hat. Es ist wunderbar, dass er lebt, aber warum ist die Türkei seine Heimat, wenn er im zarten Säuglingsalter nach Deutschland kam und Deutsch die Sprache seiner Bücher ist?

Da fällt mir ein, wie das blonde und blauäugige Kind mit dem türkischen Namen im Kindergarten vom Fotografen gefragt wurde, woher es komme. “Aus Frankfurt”, lautete die Antwort. Also doch ganz einfach.



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Ist es möglich, dass Dein Nachdenken über Heimat das Denken einer Reisenden ist, die gerade aus den Ferien zurück kommt? Wenn man auf Wellen schaukelt oder über Steine stottert, bekommt man ein Gefühl, wie sehr wir alle laufend unterwegs sind und wie relativ das ist, was wir glauben, unsere Wurzeln nennen zu können.
Ich glaube, dass das Gefühl der tiefen wahren Einsamkeit, das wir alle in uns tragen, am Ende auch die wahren Wurzeln finden lässt: Dort, wo ich mich aushalte, wo ich mich geborgen fühle, ohne dass dies von einer Person oder einem äusseren Umstand abhängig ist.
Keinen solchen Ort in petto?
Das ist nicht so schlimm. Es gibt ihn trotzdem. Den Ort, wo man die Schuhe ausziehen und barfuss laufen will. Wo man sich hinsetzen möchte und bleiben.
Bis dahin gilt es einfach, neugierig zu bleiben und dankbar zu sein für jeden Ort, an dem man zur Rast oder zum Sein eingeladen wird.
Und diejenigen, die nur geduldet sind, haben nur mehr Strecke dahin. Bis da: Sich selber dulden können, sich zulächeln, begründet eine Heimat, die im Reisekoffer Platz hat, der im Herzen sitzt.

Thinkabout  am  02. September 2006



Ist Heimat wirklich ein Ort? Ist es nicht da, wo ich mich verstanden fühle, wo ich anerkannt bin als einer der Ihren, also letzendlich ein Gefühl? Und Gefühle sind nie dauerhaft, weil sie bewusstseinsabhängig sind. So bleibt letztendlich tatsächlich nur die Heimat beständig, die im eigenen Herzen sitzt, wie thinkabout schrieb, auch wenn wir sie meistens außerhalb von uns suchen.

masterkuki  am  02. September 2006



Vielen Dank für eure Gedanken!@Thinkabout: “das Gefühl der tiefen wahren Einsamkeit, das wir alle in uns tragen”
Dieser Satz gefällt mir sehr! Und doch, ich kenne meinen ganz persönlichen Ort der Geborgenheit.
@masterkuki: Vermutlich richtig, dass Heimat gar kein Ort sein muss, sondern eher mit unserem eigenen Gefühl verbunden ist. Oder umgekehrt.

Ines Balcik  am  04. September 2006



ich willblubb eyhunwosin die kondome

blubb  am  26. Oktober 2006



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